Interview mit Wolfgang Kasic, Camping Gipfel Österreich

Wolfgang Kasic ist Mit-Organisator des Camping Gipfel Österreich sowie Mitgründer der Campinginitiative Steiermark © privat

Ein Gespräch über den noch jungen Kongress „Camping Gipfel“, die Wertschöpfung im Camping und warum die Branche Gelder der öffentlichen Hand erwartet

Heuer findet Mitte April der 2. Camping Gipfel Österreich statt. Wie hat sich die Veranstaltung seit dem ersten Mal im Jahr 2024 weiterentwickelt?

In Österreich gibt es bislang keine Gesamtschau der Camping-Branche anbieterseitig und für alle, die damit zu tun haben. Aufgrund der strengen Raumordnungsgesetze redet die Politik bei Campingfragen auf allen Ebenen – im Bund, im Land, in den Gemeinden – mit. Das heißt, es gibt sehr viele Beteiligte. Es ist also das Ziel, alle Ebenen anzusprechen. Zudem wollten wir im vergangenen Jahr zeigen, wie viel Wertschöpfung durch Camping entsteht. Das hat in unserem Auftrag die Marktforschung Conos herausgefunden: Jeder Camper lässt pro Tag etwa 50 bis 60 Euro in der Region, so kommen wir insgesamt in Österreich auf eine Wertschöpfung durch Camping von 600 Millionen Euro, allein in der Steiermark 45 Millionen Euro. In meinem Bundesland sind wir Vorreiter in Sachen Camping-Netzwerk. Bei der steirischen Campinginitiative haben sich 35 Plätze zusammengeschlossen.

Daraus entstand dann die Idee für den Camping Gipfel?

Genau. Wir haben zunächst mit 50 Leuten geplant und die Wirtschaftskammer mit ins Boot geholt. Wir waren freudig überrascht, als sich dann im vergangenen Jahr bereits über 100 Leute angemeldet haben. Heuer haben wir eine deutliche Steigerung mit bereits über 160 Teilnehmern. Dass der Gipfel noch durchmischter ist als im vergangenen Jahr, freut uns besonders: Es sind Vertreter der Tourismusorganisationen da, Regierungsmitglieder aus den Bundesländern, Vertreter der Wirtschaftskammern, sowie Camping- und Stellplatzbetreiber und Anbieter von Produkten, die die Campingplatzbetreiber benötigen, wie zum Beispiel Wandbreite, ein Anbieter von Wandverkleidungen.

Wird es für die Dienstleister eine Art Messe geben?

Nein, das machen wir bewusst nicht. Wir machen einen Kongress. Aber in den Pausen sollen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, sich auszutauschen. Auf einer Open-Space-Fläche kann man Anbieter kennenlernen. Das ist zum Beispiel genau das richtige Konzept für viele, die gar keinen Messestand wünschen, sondern ihre teils erklärungsbedürftigen Produkte in einem ruhigen Umfeld im persönlichen Gespräch vorstellen wollen. Das ist auch das Konzept: Einerseits wichtige Informationen transportieren, andererseits das Netzwerken aller Partner ermöglichen. In unser Programm haben wir sowohl tagsüber als auch abends viele Gesprächsmöglichkeiten, Pausen, Get-togethers eingeplant.

Was war der Gedanke hinter dem diesjährigen Programm?

Nachdem wir 2024 die Basisdaten geschaffen haben, ist es in diesem Jahr der Blick von außen auf unsere österreichischen Campingplätze. Welche Ideen haben Außenstehende für unseren heimischen Markt? Wie sehen sie, dass sich österreichische Campingplätze entwickeln sollten?

Welche Referenten haben Sie dafür gewonnen?

Es kommt zum Beispiel Prof. Dr. Frank Schaal, Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft Deutschland (BVCD), der seinen Blick auf unsere Campingbranche schildert. Max Möhrle von Camping.Info sagt etwas dazu, warum Österreich bei Campern beliebt ist. Einen besonderen Blickwinkel nimmt Leonie Müller ein, die mit ihrem New Work Van nomadisch lebt und arbeitet. Es wird auch der Vorsitzende des österreichischen Caravan Handels-Verbandes da sein, Thomas Neugebauer, der den Caravan-Markt beleuchten wird. Uwe Frers von Pincamp vergleicht die europäischen Märkte. Sie sehen, wir sind hochrangig besetzt. Und erstmals werden die ASCI Awards in Österreich von Ramon van Reine höchstpersönlich verliehen!

Der zweite Gipfeltag hat dann aber eine andere Struktur?

Ja genau, hier geht es in die Workshops oder Themen Talks, wie wir es genannt haben. Hier ist das Thema Digitalisierung gesetzt. Die Talks laufen parallel und die Referenten werden drei Mal ihre Vorträge halten, damit alle Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, im Stundenrhythmus sämtliche Themenräume zu besuchen. Wenn Sie so wollen ein Rotationsprinzip. Die Vorträge sollen etwa 30 Minuten gehen, dann haben die Teilnehmer noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Würden Sie sagen, dass die Digitalisierung eines der wichtigsten Themen der Campingbranche ist, weil sich hierüber auch neue Vertriebswege erschließen?

Das Thema wird Benjamin Buhl von Netzvitamine auf die Tagesordnung bringen. Die Camping- und Stellplätze, die jetzt neu an den Markt gehen, sind schon stark digital ausgerichtet. Aber einige Marktteilnehmer, die erfolgreich seit Jahren am Markt sind, haben sich diesem Thema noch nicht so genähert, wie es wünschenswert wäre. Neue und jüngere Zielgruppen können damit besser angesprochen werden. Aber auch andere Themen sind Zukunftsthemen, wie etwa die Ausstattung.

Ist denn eine Teilnahme am Gipfel hauptsächlich für die großen Campingplatzbetreiber sinnvoll, oder auch für Marktteilnehmer, die kleine Plätze haben oder es als Nebenerwerb sehen?

Es ist gerade auch für die Kleinen! Es ist ein Trend feststellbar hin zu den kleineren, einfacheren Plätzen abseits des Trubels. Und diese Plätze sollten auf jeden Fall auch wissen, wie man sich vermarktet. Zudem haben wir Teilnehmer am Campinggipfel, die sich der Entwicklung von Campingplätzen widmen, also zum Beispiel für Gemeinden, mit Standortanalysen, Betrachtung des Marktumfelds und so weiter. Ich gebe zu, dass es etwas schwierig ist, Betreiber von kleinen Plätzen zu erreichen oder zu motivieren, am Camping Gipfel teilzunehmen. Aber hier ein ganz wichtiger Hinweis: Der Gipfel ist kostenfrei für Teilnehmer! Ob wir das so fortführen, weiß ich nicht, das ist eine Budgetfrage. Gelder der öffentlichen Hand fehlen.

Wie haben Sie denn Werbung gemacht für den Gipfel?

Wir haben alle Campingplatzbetreiber in Österreich angeschrieben, alle Tourismusverbände, die es in Österreich gibt, sowie die wesentlichsten politischen Partner. Und dies sowohl digital als auch noch analog mit Papier, da bin ich vom alten Schlag. Oder gestern hat mich noch ein Chalet-Hersteller angerufen, der in Anbindung an Plätze ein paar Häuser aufstellen und dazu mit der Branche in Kontakt kommen möchte.

Sind denn die Marktteilnehmer in Österreich gut vernetzt oder ist das eine Wirkung, die der Camping Gipfel entfalten soll?

Ich glaube, da geht noch ganz viel. Wir können uns sicher auch über die Fachgruppen der Wirtschaftskammer hinaus noch besser vernetzen. Der Konkurrenzgedanke hindert uns noch zu sehr, gemeinschaftlich Ziele zu erreichen. Vom Gefühl her ist zum Beispiel die deutsche oder slowenische Branche besser vernetzt. Aber wir wollen nicht zu sehr auf Nachbarländer schauen, sondern unseren eigenen Weg gehen. Der Camping Gipfel ist ein erster Schritt. Es gibt Vorstellungen davon, wie es in zehn Jahren aussehen könnte. Unser Kongress soll keine Eintagsfliege sein, sondern sich zu einem guten, wichtigen, relevanten Branchentreffen entwickeln.

Was ist denn notwendig, damit das Format Bestand hat?

Es wäre gut, wenn die öffentliche Hand Studien finanziell ermöglicht, die notwendig sind, um Zahlenmaterial zu erhalten. Wir behaupten, dies ist auch Aufgabe der öffentlichen Hand: Es gibt die Österreich Werbung, es gibt die Landestourismusverbände, es gibt die politischen Büros in den Landesregierungen. Es ist wichtig, Grundlagenforschung zu betreiben. Gerne übernehmen wir die Arbeit für sie, wenn sie uns das Geld zur Verfügung stellen. Wir würden auch gerne eine bundesweite, qualitativ hochwertige Umfrage unter den Campingplatzbetreibern starten, die von einem Institut begleitet wird. Mittelfristiges Ziel des Campinggipfels ist es auch, den politisch Verantwortlichen zu zeigen, dass Tourismus nun mal nicht nur aus Hotels und Gastronomie besteht, sondern Camping ein ganz wichtiges Element ist. In manchen Bundesländern erhalten Campingplatzbetreiber keine Förderung bei Investments, weil wir kein klassisches Gewerbe sind! Das könnte ein Thema für den Gipfel im kommenden Jahr sein.

Ich höre heraus, dass Sie mehr Aufmerksamkeit für die Branche anstreben?

Genau. Wir wollen das Sprachrohr sein für die Branche in all ihrer Vielfalt. Wir wollen, dass die Branche wahrgenommen wird! Dass die zuständige Landesrätin im vergangenen Jahr beim ersten Gipfel sieben Stunden geblieben ist, oder die Staatssekretärin abends beim Empfang drei Stunden, zeigt uns, dass hier durchaus Interesse besteht. Heuer wird die Vorsitzende der Österreich Werbung kommen, Frau Steharnig-Staudinger, und zum Thema Wertschöpfung referieren.

Das heißt, Sie wünschen sich eine engere Kooperation mit der Österreich Werbung?

Absolut, ja! Wir haben im vergangenen Jahr ein erstes Gespräch gehabt, weil der Informationsfluss nicht so gut lief, wie er könnte. Das klappt jetzt, aber für das nächste Jahr wünschen wir uns beispielsweise, dass die ÖW das Thema Camping national und international besetzt. In Deutschland, den Niederlanden und den östlichen Märkten sind wir gut aufgestellt, aber den Schweizer und den dänischen Markt werden wir heuer bearbeiten. Wäre schön, wenn die ÖW sich einbringt.

Zur Person: Wolfgang Kasic ist einer der Gründer der Campinginitiative in der Steiermark sowie Mit-Organisator des Camping Gipfels. Er war lange Jahre Geschäftsführer des Tourismusverbandes Frohnleiten sowie Fachgruppenobmann in der WKÖ.