Tomas Mehlmauer, Präsident des Camping Clubs Österreich

MEHLMAUER Tomas, Präsident ÖCC

Ein Gespräch über die nicht nachlassende Begeisterung für Camping, fehlende Stellplätze in Österreich und den Trend Winter-Camping

TN-Austria: Die Campingzahlen auf den österreichischen Plätzen waren im vergangenen Jahr wieder auf Rekord-Niveau. Woher kommt dieser Erfolg Ihrer Meinung nach?

Tomas Mehlmauer: Wir sind eine gemeinnützige Organisation für Camperinnen und Camper und vertreten die Konsumentinnensicht, sind daher kein Branchensprecher, aber Branchenpartner. Die Campingbranche erlebt seit mehreren Jahren einen Boom, was man anhand der Nächtigungszahlen wie auch der Zulassungen von Campingfahrzeugen sieht. Einen richtigen Boost hat der Szene die Pandemie verschafft. Das Interesse hat sich seitdem sehr gut gehalten mit zuletzt 8,5 Millionen Nächtigungen auf den österreichischen Camping- und Stellplätzen. Das sind zu circa zwei Drittel ausländische Gäste, vornehmlich aus Deutschland, Niederlande, Tschechien und der Schweiz.

Spüren Sie denn, dass die Camping- und Stellplätze verstärkt investieren?

Mit dem Investment-Begriff bin ich vorsichtig. Der Großteil der Plätze sind Kleinbetriebe, meist Familienbetriebe, die nur schwierig große Investments tätigen können. Wasserleitungen, Stromleitungen, gut gepflasterte Stellplätze, Digitalisierung – all das sind Aufwendungen, die genug Geld kosten. Bauliche Investitionen wie Spa-Bereich oder eine Poollandschaft sind dagegen für die Kleinbetriebe kaum zu stemmen.

Anders ist es bei den Platzhirschen der Szene. Diese müssen investieren, um die Gäste zu halten und ein attraktives Angebot bieten zu können, denn die Konkurrenz ist europaweit groß. Hier wird auch von den Campern eine hohe Professionalisierung im Angebot, mehr und mehr auch besonders im digitalen Angebot, Stichworte Buchbarkeit oder dynamisches Pricing, erwartet.

Welche Maßnahmen sind denn nach Meinung des Camping Clubs notwendig?

Wir benötigen dringend Stellplätze, denn wir sehen anhand der vergangenen Jahre, dass sich das Thema Rundreise stark entwickelt. Hier müssen wir schneller werden, damit das Angebot und die nötige Infrastruktur mit der Zielgruppe und den Fahrzeugen mitwächst. Eine zweite mittelfristige Maßnahme ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. In Österreich konnten wir darauf immer stolz sein. Mein persönlicher Eindruck ist aber, dass es in den vergangenen Jahren bei einzelnen Betrieben oder in einzelnen Regionen etwas entgleitet. Mein Appell wäre trotz Teuerungen, weiterhin auf das faire Preis-Leistungsverhältnis zu achten. Langfristig nenne ich das Thema Elektrifizierung. Es ist Fakt, dass immer mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge – sei es Auto oder Fahrrad – in den Markt kommen. Diese benötigen eine belastbare Infrastruktur. Die Fahrzeuge müssen geladen werden, die elektrische Einrichtung im Fahrzeug wie Heizung oder Kochfelder muss betrieben werden.

Der März 2024 hat eine Verdopplung der Nächtigungszahlen gezeigt, übers Jahr hin haben sich die Zahlen sehr abgeschwächt. Woran liegt das?

In der Hauptsaison von Mitte Juni bis September sind die Campingplätze in den touristisch stark durchdrungenen Regionen seit Jahren quasi voll. Sie haben eine begrenzte Kapazität und ein Zubau ist nur bedingt möglich. Insofern ist dort – und dann – kaum Zuwachs möglich. Ein Zuwachs ist bei Plätzen möglich, die abseits der touristisch stark nachgefragten Gegenden liegen. Hinzu kommt, dass die Urlaubsart wettersensibel ist. Im März 2024 hatten wir einen sehr milden Frühling und die Camper sind spontan losgefahren. Die Sommermonate waren dagegen wechselhaft, gegen Ende der Saison gab es sogar das Hochwasser. Nicht nur haben die Menschen die entsprechenden Plätze nicht angefahren, sondern die Betroffenen haben ihren Urlaub auch verschoben.

Also sind die Treiber des Geschäfts die Nebensaisons sowie kleinere oder abseits gelegene Plätze?

Genau. Sehen Sie zum Beispiel das Wintercamping: Noch immer eine Nische, aber zunehmend gefragt. Denn die Technik der Fahrzeuge gibt es mittlerweile her, dass man mehrere Tage oder sogar Wochen gut campen kann, Stichwort Wärme. Die Plätze liegen sehr nah an den Skipisten, so dass die Camper direkt vom Wagen aus schnell an den Liften oder Wegen sind. Die Betreiber haben auch viel in Komfort-Angebote wie Saunen oder Trockenräume für das Ski-Equipment investiert. Dies wird wertgeschätzt von den Campern und zahlt entsprechend auf die Nächtigungsstatistik ein.

Sind die Camper in Österreich gern gesehene Gäste? Sie kommen einerseits mit viel Fahrzeug-Volumen, andererseits lassen sie aber auch viel Geld vor Ort.

Vorsichtig formuliert ist Overtourism im gesamten Tourismus ein Thema, dem man sich grundsätzlich wird stellen müssen. Im Camping ist das aber noch nicht allzu weit fortgeschritten. In Österreich ist das freie Stehen, das wilde Campen, nicht erlaubt. Und die Behörden sind sensibel. Wenn man aber an einem gewidmeten Standort steht, gibt es viele Vorschriften, zum Beispiel in Bezug auf Müll oder auf Lärm. Insofern ist schon vieles so geregelt, dass wenig schädlicher Einfluss entsteht.

Was allerdings zu hässlichen Bildern führt, sind Vorfälle, in denen auf Instagram Selfies mit Campingfahrzeugen an nicht für Camping freigegebenen Sightseeing-Spots entstehen und dann viele Nachahmer kommen. Das sind vielleicht bei 20 Fahrzeugen wenig Menschen, aber die Fahrzeuge nehmen eben viel Raum ein.

Was ist denn die Haltung des Camping Clubs, in Österreich noch mehr Flächen für Camping freizugeben? Geht das überhaupt noch?

Möglich ist es und es gibt auch noch Flächen, die dazu geeignet wären und bei denen ein Interesse besteht. Die Frage ist, ob Bedarf besteht. Auf das Konzept müssten die neuen Betreiber viel Wert legen, zum Beispiel Stichwort Nachhaltigkeit. Die Plätze müssten sehr definierte Zielgruppen auf ganz bestimmten Kanälen ansprechen. Die jüngeren Campingplatzbetreiber, die das Geschäft von ihren Eltern übernommen haben, sind mit einem profunderen Wissen ausgestattet. Dadurch steigt natürlich auch die Professionalität des Angebots.

Was wir wie bereits gesagt in Österreich definitiv noch brauchen sind Stellplätze, vor allem für die Rundreise-Zielgruppe. Die möchte gar nicht das Komfortangebot eines großen Campingplatzes mit Wellness, Pools, Restaurants, Trockenraum und so weiter nutzen und möchte dann auch nicht dafür zahlen müssen. Einige Plätze haben schon Möglichkeiten entwickelt, dass Wohnmobilfahrer auf vorgelagerten Parkplätzen stehen und reduzierte Preise zahlen. Ein weiterer Aspekt ist, dass von den Campingplatzbetreibern die Sorge besteht, dass die Stellplätze Geschäft wegnehmen würden, was nicht stimmt, da die Stellplätze eben eine andere Zielgruppe ansprechen. Hier hätten auch die kleineren Städte noch eine Chance, für wenige Nächte eine Wertschöpfung zu generieren.

Zur Person: Tomas Mehlmauer ist seit 2017 Präsident des Österreichischen Camping Club (ÖCC). Dieser versteht sich als moderne Informations- und Serviceorganisation rund um das Thema Camping. Zudem ist Mehlmauer Vorsitzender der FICC Motor Caravan Kommission und Mitglied im FIA Audit-Komitee.